Schieflage

18. Januar 2018

Wir sind schief gewickelt, wenn wir meinen, nicht schön zu sein.

Ausstellung bis 23.02.2018 im Max-Planck-Institut, Lentzeallee 94, 14195 Berlin
Mo-Fr. 08:00 – 19:00

Schieflage

Meine Fotografien dieses Projekts beziehen sich auf die Architektur des Körpers von Skoliosepatienten und meine persönliche Sicht auf die fehlende Unterstützung bei psychologischen Problemen der sehr jungen Menschen und deren Angehörigen.

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Wie fühlt sich ein Mädchen* mit 13 Jahren, wenn es erfährt, dass es in den nächsten Jahren ein Korsett tragen wird, einen Fremdkörper aus Plastik, der die Bewegung versteift und die aus der Bahn geratenen Knochen zurück in eine aufrechte Position bringen soll? Die Schieflage findet dabei nicht nur in der Wirbelsäule statt, die Schieflage schlägt eine erhebliche Schneise quer durch die Pubertät. Dabei bedeutet diese intensive Zeit doch in erster Linie, sich in Abgrenzung zu üben und mit wiederholter Verweigerung die Berechtigung jedweder Erziehung in Frage zu stellen. Doch sehen sich die Jugendlichen damit konfrontiert, auf diejenigen hören zu sollen, von denen sie sich gerade zu entfernen versuchen. Auf der anderen Seite stehen die Erwachsenen mit dem Wissen, wie wichtig es ist, sich an die medizinischen Regeln zu halten und genau damit eben auch ihren rebellierenden Kindern hilflos gegenüber. Dass das hässliche Ding auch eingefärbt mit dem Wunschmotiv nicht zum Freund wird, erschwert das Ganze und die geschminkte Plastikfratze erinnert die Leidtragenden mit schmerzhaften Druckstellen, wer hier das letzte Wort behält.

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Mit 13 beginnt man sich zu fragen, welche Abenteuer die Modewelt für einen bereit hält, doch der Körperpanzer ärgert beim Klamottenkauf; die genialen Jeans kann man auch mit all seinem Ärger nicht passend maulen und das modische Oberteil ist für Korsettträger viel zu kurz, egal was die Mode und die Freundinnen sagen… die Jungdamen versuchen das medizinische Zwangsgerät so gut es nur irgend geht zu verstecken, doch es lässt sich nicht vermeiden, dass die Mitschüler etwas mitbekommen, seltsam schauen und tuscheln. Und wenn das dann auch noch der süße Typ aus der Parallelklasse mitbekommt ist die Katastrophe perfekt. Viele Patienten in dem Alter leiden. Ohne ein verständnisvolles Miteinander, das gerade jetzt die wichtigste Unterstützung wäre, wächst der psychologische Druck, der alleine oftmals nicht bewältigt werden kann. Jetzt stehen die betroffenen Familien vor dem Problem, den richtigen Umgang damit zu finden – in einer Entwicklungsphase, in der Jugendliche von Natur aus fragil sind, sich mit und in ihrem Körper neu erfahren zu müssen und auch ohne Korsett schnell hässlich fühlen. Doch wenn man ein medizinisches Problem versteckt, weil es einem peinlich ist, gibt man dem Umfeld gar keine Möglichkeit, überhaupt ein Verständnis zu entwickeln.

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In diesen sensiblen Mittelpunkt habe ich ästhetische Bilder gestellt, um der hässlichen Fratze ihren Schrecken zu nehmen. Ich habe das Äußere verhüllt und gleichzeitig versucht, das Innere nach außen zu kehren. Ich möchte mit diesen Fotografien Mut machen, denn erst der offene Umgang und die klare Auseinandersetzung mit Krankheiten ermöglichen Teilnahme, Nachsicht und Unterstützung.

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Zu guter Letzt möchte ich für das Korsett eine Lanze brechen, denn es hilft (in den meisten Fällen) und sobald erste Erfolge sichtbar werden, verliert es auch seinen Schrecken. Doch ich wünsche mir für alle Beteiligten, dass der Weg dorthin psychologisch ein wenig mehr unterstützt wird.

Jeder ist schön trotz Makel, denn hässlich ist, sich und seine Makel nicht anzunehmen.

frau.dinkel sagt Danke

Danke Lisa, für den Anstoß für das Projekt.
Danke Sebastian, für den Schlüssel bei der Ideenfindung.
Danke Natalia, danke Hanna, für die große Hilfe bei der Umsetzung.
Danke an meine wunderbaren, echten Patientinnen.

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frau dinkel fotografie spiegelung

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